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Auf dem Baum

Ich lief durch die Stadt. Naja, sagen wir mal, es gehörte noch zur Stadt, aber eigentlich war es eher ein Gewerbegebiet, das jetzt am Wochenende angenehm ruhig und menschenleer war. Damals, beim Bau dieses Gewerbegebietes, hatten die Bauherren wohl doch mehr Verstand als ich den profitgierigen Geschäftsleuten zugetraut hätte. Sie haben nämlich nicht alle Bäume dem Erdboden gleich gemacht, sondern die größten und eindrucksvollsten stehen gelassen. Genau jetzt stand ich vor einem dieser alten Baumstämme. Ich erinnerte mich an meine Kindheit, ich hatte meistens irgendwelche Schrammen, weil ich kaum einem Baum widerstehen konnte und rauf geklettert bin. Irgendwie durchzuckte mich auch jetzt dieser Gedanke. Aber inzwischen war ich erwachsen, da klettert man nicht mehr auf Bäume. Doch es war keiner da, der mich hätte beobachten können, also gab ich dem Impuls nach und stieg den glatten schlanken Baumstamm hinauf. Wegen der Straßenlaternen waren ein paar der Äste abgesägt worden. Einer von diesen Aststümpfen wurde nun zu meinem Sitzplatz.